Das Internet ist unerschöpflicher Quell von Information und Inspiration. So bin ich vor ein paar Tagen auf eine handwerkliche Art der Fotografie gestoßen, die so ganz und gar undigital ist: Kollodium-Nassplattenfotografie.

Diese Verfahren wurde um 1850 herum entwickelt und das lichtempfindliche Medium ist eine Glasplatte, die mit einem Gemisch aus Kollodiumwolle und anderen Elemente beschichtet und danach in einem Bad mit Silber geimpft wird. Die Platte wird anschließend in einer Fachkamera belichtet und darf dazu nicht trocknen sein, deshalb „Nassplatte“. Der ganze Prozess ist sehr zeitaufwändig und dieses tolle Video verdeutlicht das:

Die Lichtempfindlichkeit der Platten ist sehr gering (ISO 1), weswegen die Belichtungszeit lang sein und das Modell sehr still halten muss. Stühle mit Kopfstützen habe den Modellen das Stillhalten in historischen Zeiten erleichtert. Dieses Stillhalten ist mitverantwortlich für die heute eigentümlich anmutende starre Mimik. Kein spontanter Ausdruck, kein Schnappschuss möglich. Für mich macht diese Anmutung, zusammen mit der eigentümlichen Farbgebung und dem Handwerk, die Faszienationen aus.

Auf der Glasplatte entsteht ein Negativ, das als Positiv erscheint, wenn man es vor einem dunklen Hintergrund betrachtet.

Im Netz sind einige Fotografen vertreten, die sich wieder dieser alten Technik widmen:

Dieser Freak hat sich seinen Van zu einer Kamera umgebaut:

Das ganze hat nich auch an die Zeit erinnert, als ich noch eine eigene Dunkelkammer hatte. Was aber tun, wenn man keine Plattenkamera und kein Chemielabor hat? Photoshop? Warum nicht?! Wenn man sich ein bisschen mit den Eigenheiten der Kollodiumaufnahmen beschäftigt und ein geeignet Ausgangsbild findet, kann man den Look nachempfinden. Da die Schritte immer wieder die gleichen sind, habe ich mir eine Aktion in Photoshop gebaut. Nachdem die Aktion gelaufen ist, passe ich verschiedenen Ebenen noch dem aktuellen Bild an. Den Look prägen zusätzliche Ebenen mit Texturen, die partiell mit dem Ausgangsfoto kombiniert werden. Hier gibt es tolle Texturen zum kostenlosen Download:

[Mit Texturen kann man interessante Looks erzeugen. Das ist aber eine andere Geschichte, zu der es vielleicht mal einen Beitrag geben wird].

Hier eine kleine Auswahl meiner Ergebnisse, mehr im Portfolio:

Wenn ich auch recht zufrieden mit dem Look meiner Bilder bin, beibt der Wunsch, dieses Handwerk selbst auszubrobieren. Vielleicht melde ich mich mal zu einem Workshop an…

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