Mein Fuji Kameras erzeugen tolle JPGs. Ich kann an der Kamera eine „Filmsimulation“ einstellen, mit der die Bilder den Look von Fuji Analogfilmen bekommen, wie beispielsweise Acros (S/W), Velvia oder Astia. Gerade wenn man S/W Bilder haben möchte, hilft mir die Verwendung der Filmsimulation, weil das Sucherbild ein S/W-Bild zeigt. So kann ich gleich sehen, ob das Motiv in S/W überhaupt „funktioniert“.

Am Samstag sind wir zur Kenzenhütte gewandert und ich habe mein X-Pro2 auf „Acros“ eingestellt. Ich mag kontrastreiche S/W Bilder und „Acros“ hat eine tolle Anmutung. Von jedem Bild habe ich die Kamera ein JPG und ein RAW speichern lassen. Hier ein paar Beispiele (JPGs):

JPG hat gegenüber RAW einige Nachteile, weswegen ich auch normalerweise nur mit RAW-Dateien arbeite, u.a.:

  • Geringerer Dynamikumfang
  • Komprimierung der Datei mit gelegentlichen Artefakten
  • Nur eingeschränkt Korrektur des Weißabgleiches

Ich möchte hier nicht zu sehr in technische Detail gehen aber ein Beispiel zeigen, wo RAW gegenüber JPG die bessere Wahl ist: Bei Motiven mit einem hohen Dynamikumfang, gleichzeitig sehr dunkle und sehr helle Bereiche, enthält eine RAW Datei deutlich mehr Information. Dies ermöglicht es,  z.B. Details in „abgesoffenen“ Schatten oder „ausgebrannten“ Lichtern, wieder sichtbar zu machen. Die Dateien werden dazu in einem RAW-Konverter bearbeitet, ich verwende dazu Adobe Lightroom. Mit wenigen Klicks habe ich die RAW Datei bearbeitet, damit im endgültigen Bild das zu sehen ist, was das menschliche Auge wahrnimmt. Wir können mit unserem Sehapparat ca. 20 Blendenstufen differenzieren, das RAW Bild einer guten Digitalkamera hat einen Dynamikumfang von 12-14 Blendenstufen, ein JPG nur ca. 9 Stufen.

Oben das JPG aus der Kamera, darunter die Bearbeitung des RAW in Lightroom:

Der Dynamikumfang der RAW Dateien hängt natürlich von der Leistungsfähigkeit der Kamera und des Sensors ab.

Eine weitere Möglichkeit, starke Helligkeitsunterschiede und Kontraste in einem Motiv zu korrigieren, ist die Aufnahme eine Belichtungsreihe (englisch: Bracketing), bei der die Kamera eine Folge von Bildern mit unterschiedlichen Belichtungszeiten aufnimmt:

Die einzelnen Aufnahmen können dann im Bildbearbeitungsprogramm zu einem neuen (HDR = High Dynamic Range) Bild zusammengerechnet werden. HDR Bilder sind in Verruf geraten, weil die Anmutung oft surreal oder gar kitschig ist. Die Farben sind oft zu stark gesättigt, es gibt helle Säume an dunklen Kanten, das Bild sieht irgendwie „falsch“ aus. Dezent angewendet jedoch, kann man sehr natürliche Ergebnisse erzielen:

Warum also nicht beim RAW Format bleiben? Scheint doch nur Vorteile zu haben. Stimmt, fast. Die Dateien sind naturlich deutlich größer. Das Bild oben hat als RAW 50 MB, als JPG nur 16 MB. Dazu ist die schiere Vielzahl der Möglichkeiten in der Nachbearbeitung manchmal erdrückend. Man neigt dazu, beim Fotografieren nicht mehr akkurat zu arbeiten. Es kann ja fast alles hinterher korrigiert werden. Nach dem Motto:

„fix it in post“

Man wird schlampig bei der Einstellung der Belichtungsparameter und beim Bildausschnitt. Die Zeit am Rechner nimmt immer mehr Raum ein.

Zwar macht mir die Arbeit am Computer und mit Bildbearbeitungsprogrammen Spaß aber ich möchte mehr mit der Kamera unterwegs sein, mehr fotografieren als am Schreibtisch zu sitzen. Ich möchte nach dem Leitsatz arbeiten:

„get it right in camera“

[verzeiht die Anglizismen. Die beiden Sätze bringen es aber wunderbar auf den Punkt, meine ich]

Das Bild soll schon in der Kamera „fertig“ sein. Deshalb mal JPG. Zur Selbstbeschränkung. Als Disziplinierung. Nicht immer und überall, abhängig von Motiv und Projekt.

Seit einiger Zeit fotografiere ich auch wieder analog, mit einer Filmkamera. Hier sind die Möglichkeiten zur nachträglichen Optimierung stark begrenzt. Ist der Film falsch belichtet, kann ich das am Computer nicht einfach korrigieren. Ist der Fokus falsch eingestellt, wird das Bild unscharf und ich merke es erst, wenn der Film entwickelt und gescannt wurde. Ein Feedback über das Kameradisplay gibt es nicht. Ich muss mich konzentrieren, den Ausschnitt und die Belichtungsparameter mit Bedacht wählen. Digitale Fotos kosten nichts, wenn man Kamera und Speicherkarte erst einmal hat, Filme schon! Da ballert man nicht einfach drauf los, wie gerne mit der Digitalkamera. Aber ich schweife ab! Über meine Erlebnisse mit der analogen Kamera schreibe ich ein anderes mal.

Unten noch ein paar Bilder, die ich bei der Wanderung gemacht habe. Das erste Bild ist ein RAW Bild, alle anderen JPGs und (fast) unbearbeitet.

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