Schon vor unserer Reise bin ich oft gefragt worden „warum Taiwan?“. So ging es mir auch noch vor einem Jahr, als unsere Freundin Matz immer wieder gedrängelt hat: „Lasst uns doch nach Taiwan in Urlaub gehen“. Alles was wir dann im Internet recherchiert und von Taiwanern selbst erfahren haben, hat unsere Entscheidung positiv beeinflusst. Ein Argument war auch der günstige Flug mit China Southern Airlines. Wir sind für knapp 400 € über China nach Taipei geflogen. So billig bin ich noch nie nach Fernost gereist!

Es ist ein tolles Land und eine Reise lohnt sich! Deswegen habe ich mich entschieden, meine Reiseerfahrungen hier zu posten. Auch wir haben vor und während der Reise viele nützliche Tipps in Reiseblogs bekommen und vielleicht helfen meine Tipps auch Euch.

Anmerkung: Was ich hier schreibe, sind meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke. Informiert euch bitte auch auf anderen Seiten über die aktuelle Situation in Taiwan, die Sicherheit und Gesundheitsvorsorge! Ich will nix hören, wenn doch jemand Dünnpfiff kriegt…

Tempel am Sonne-Mond-See
Überblick

(Wer es noch genauer wissen möchte, mag auf Wikipedia weiterlesen)

Taiwan oder „Republik China“ ist eine relativ kleine Insel, mit ungefähr der Fläche von Baden-Württemberg (Länge: 394 km, max. Breite: 144 km). Es hat 23 mio. Einwohner, von denen 98% chinesische Vorfahren haben und 2% indigen sind. Die Einwohnerdichte ist, nach Bangladesch, die zweithöchste in Asien. 75% der Bevölkerung leben in Städten, während gleichzeitig viele Landstriche, vor allem im Gebirge, sehr dünn besiedelt sind. Am dichtesten besiedelt ist die Region um Taipei und die flachen Gebiete entlang der Westküste.

Zentral liegt ein schroffes Gebirge, dass sich fast über die gesamte Länge der Insel ausdehnt und bis zu 4000 m hohe Berge hat. Die Küste bietet wenige erschlossene Sandstrände und sind im Osten schroff und steil. Das mag auch mit der nicht vorhandenen (Strand-) Badekultur der Taiwanesen zusammenhängen. „Pale is beautiful“ gilt dort, wie auch in vielen anderen asiatischen Ländern.

Im Alishan Gebiet

Die Insel ist tropisch und daher sehr grün. Die steilen Berge sind bis hoch hinauf mit (Regen-) Wald bedeckt und selbst die Ebenen, rund um die Städte sind grün, weil dort Reisfelder oder Obstplantagen sind. Ich stehe total auf diese Vegetation! Und obwohl Taiwan ein Industrieland ist, gibt es so viel wunderschöne Natur und Landschaft. Wir haben regelmäßig in Bergbächen gebadet, Regenwaldwanderungen gemacht, Nationalparks besucht.

Taiwan ist relativ hoch entwickelt. So kommen 80% alle weltweit verkauften Laptops aus Taiwan. Die billigen Konsumgüter der 70er und 80er Jahre wurden durch High-Tech-Produkte abgelöst. Beim BIP lag Taiwan 2016 weltweit auf Rang 37, hinter Zypern und vor Slowenien. Anders als in Indien (!), Thailand oder Vietnam sieht man fast keine Bettler auf der Straße (in Stuttgart sieht man auf jeden Fall mehr) und die Infrastruktur ist sehr gut ausgebaut (dazu unten mehr).

Indigena in Wutai
Taiwan 2017
Taiwan 2017
Menschen

Sehr nett und überaus hilfsbereit! Sie kommen nicht immer direkt auf einen zu aber sobald man Kontakt hat, ist es sehr angenehm mit ihnen. Die Gastgeber in B+Bs habe sich immer sehr um uns gekümmert: Bekocht, Wäsche gewaschen, Tipps gegeben usw.

Steht man einmal orientierungslos herum, kommt es vor, dass ein netter Mensch sich kümmert und seine Hilfe anbietet.
Die Taiwaner wollten immer wissen, wo wir herkommen. „Oooh, 德國 [Déguó, Deutschland]… nice!“

Reisezeit/Klima

Das Klima ist tropisch. Wir waren leider ganz nah am Beginn der Sommerregenfälle, die dieses Jahr sehr früh und extrem heftig gestartet sind. (lt. taiwanesischem Wetterdienst hatten wir mehrmals „Extremely Torrential Rain“, was soviel wie „extreme sintflutartige Regenfälle“ bedeutet). Der Regen hat uns einige Wanderungen vermasselt und auch sonst etwas eingeschränkt. Ideal sind wohl März bis Mai und September bis November.

Es ist heiß und feucht! Selbst im Regen waren es oft über 30°C und ich habe noch nie auf einer Reise so viel geschwitzt. In den Bergen wird es kühler, in den ganz hohen Gefilden.

Kurze Hosen! Ich habe 3 Wochen lang nur kurze Hosen angehabt. War das komisch, vor dem Heimflug wieder in Jeans zu steigen…

Wichtiges "Kleidungsstück": Der Schirm
Raucherzone im Nationalpark
Sicherheit, Gesundheit

Taiwan gilt als ein sehr sicheres Reiseland und Taipei als eine der sichersten Städte der Welt. Wir haben uns nie mulmig gefühlt und auch nachts alleine unterwegs in den Städten war kein Problem.

Mehr als seinen Geldbeutel sollte man das Wetter im Blick behalten. Taifunsaison ist von Juni bis Oktober und starke Regenfälle können zu Erdrutschen führen und einem überhaupt den Spaß an Outdooraktivitäten vermiesen. Außerdem gibt es regelmäßig Erdbeben, die jedoch glücklicherweise selten stark sind. Das staatlich Central Weather Bureau gibt umfassend und aktuell Auskunft.

Es sind keine Impfungen vorgeschrieben, der Standardimpfschutz reicht aus. Malaria kommt nicht vor, ganz selten gibt es Fälle von Dengue Fieber. Das Gesundheitssystem hat westlichen Standard. Und wenn alles nichts hilft, nimmt man pulverisierte Seegurken, kandierte Spinnenbeine, Ginsengwurzel, Grünteebonbons oder was die chinesische Medizin sonst noch bietet.

Taipei ist vielleicht die sauberste asiatische Stadt, in der ich bisher war. Überhaupt fehlen flatternde Plastiktüten im Gestrüpp, brennende Hausmülldeponien, Unrat im Straßengraben, wie man das aus anderen asiatischen Ländern kennt.

Das Leitungswasser ist sauber. Ich habe damit die Zähne geputzt und auch getrunken. Es schmeckt nicht immer gut, weil manchmal gechlort. In Reiseinformationen liest man meist, dass man lieber abgefülltes Wasser kaufen soll. Mir hat es nicht geschadet. Muss jeder selbst wissen…

Es gibt giftige Schlangen und Wespen, die wir aber nicht gesichtet haben. Unangenehm waren einige Ausflüge in die Natur, wegen der ätzenden Brennnesseln, die noch 2 Tage nachher zu spüren waren (Abhilfe: Lange Hosen, in die Socken stecken). Ach ja, Babs hatte nach einer Wanderung im Regenwald einen Blutegel am Knöchel…. igitt!

Wir habe sehr, sehr oft an Straßenständen gegessen und dem Bauch ging’s gut damit.

Im Tempel
Infrastruktur, Transport, Kommunikation

Taiwan hat eine der besten Abdeckungen mit Internet, öffentlichem Wifi und Handynetz. Bei der Ankunft am Flughafen habe ich mir für knapp 30 € eine SIM Karte gekauft, die 4 Wochen gültig war und ein unbegrenztes Datenvolumen beinhaltete. Gleich in der Ankunftshalle haben die großen Telefongesellschaften ihre Buden und die Angebote sind fast identisch. Innerhalb von 5 min. war ich online. Sehr praktisch, weil wir mit dem Handy und Google Maps im Auto navigiert haben. Außerdem kam regelmäßig der Google Translator zum Einsatz und irgendwie gibt es ja immer was im Internet nachzuschlagen: Wegbeschreibungen, Öffnungszeiten, Unterkünfte, U-Bahn-Pläne usw. Ohne Handy und Internet wäre das Reisen jedenfalls beschwerlicher gewesen. In den meisten Städten (und auch in manchen kleinen Dörfern), sowie allen unseren Unterkünften gab es Wifi mit schnellem Internet.

Immer online!

Das öffentlichen Verkehrsnetz in den Städten (über Land waren wir ja mit dem Mietwagen unterwegs) ist exzellent ausgebaut und überaus pünktlich. Die Straßen breit und in gutem Zustand (was besonders im Gebirge eine reife Leistung ist, wegen der vielen Erdrutsche), die meisten Richtungsschilder auf Chinesisch und Englisch und die Taiwaner entspannte Autofahrer. Rechtsverkehr!

Mietfahrräder

Besonders genial sind die Mietfahrräder (YouBike), die es überall in Taipei und in vielen anderen Städten gibt. Mit der Easycard (s.u.), kann man einfach ein Fahrrad mitnehmen und an einer anderen Station wieder abgeben. Das kostet nur 20 Taiwan $ (= 0,57 € )/ Stunde. Die App auf dem Smartphone zeigt einem die nächste Station und wie viele Fahrräder dort gerade stehen. Klasse!

Mietwagen sind im Vergleich zu Spanien, Italien etc. teuer. Babs hat aber auf einem Blog den Link zu www.cheapcartaiwan.com gefunden. Eddie, der Besitzer, kommt aus Südafrika und ist ziemlich relaxed. Der Toyota hatte zwar 340.000 km auf dem Tacho, war ziemlich abgenutzt, hat uns aber überall hin gebracht.

Nach Taichung sind wir mit dem Zug gefahren: 2 Stunden Fahrt, keine 20 €/Person.

Taxis sind auch recht günstig. Es wird immer Taxameter verwendet und feilschen ist nicht üblich.

Ein eigenes Kapitel: Die Verständigung. Dazu habe ich hier bereits geschrieben.

Unterkünfte

Wir haben über AirBnB, Booking.com, Agoda gebucht. Immer ein paar Tage im Voraus, wenn wir über unsere weitere Route entschieden hatten. Für ein Doppelzimmer haben wir zwischen 30 und 80 € bezahlt. Besonders schön fand ich:

Mittagspause in Taipei

Essen

Absolutes Muss: Nightmarket! Auf den Nachtmärkten gibt es immer ein riesiges Angebot an Fressständen. Günstig und lecker!  Die Preise in Restaurants sind unter europäischem Niveau aber teurer als beispielsweise in Thailand. Das Essen ist chinesisch geprägt aber wir habe auch Japanisch, Koreanisch, Nepalesisch gegessen. Leider vergleicht man ja immer mit dem, was man schon kennt und da hat kein Essen der Welt eine Chance gegen meine Lieblingsküche aus Thailand.

Stäbchen ist muss. Innereien, Hühnerfüße etc. gibt es, kann man aber vermeiden.

Frisch gebrühter, lokaler Kaffee

Es gibt exzellenten Espresso, Cappuccino etc., aus riesigen italienischen Kaffeemaschinen. Außerdem wird Kaffee in Taiwan angebaut. Bubbletee oder Fruchtsaft mit Bubbles fand ich lustig und lecker. Das frische Obst ist der Traum! Außerdem Pfefferminz M&M, Machakaubonbons, Oulong Tee, Suppe, Suppe, Suppe.

Stinketofu kann man getrost auslassen. Am Meer (und sonst wo) gibt es leckeren Fisch und Meeresfrüchte.
Das Essen ist nicht scharf, wenn man nicht extra was scharfes bestellt. Achtung: Die leckeren Bratwürste, die es allerorten gibt, sind süßlich…

Unsere Route
Unsere Route

Wir waren knapp 3 Wochen auf Taiwan

  • Taipei (5 Tage), Ausflug von dort nach Wulai
  • Mit dem Zug nach Taichung, Mietwagen übernommen, Fahrt in die Berge Richtung Tarokoschlucht (Wanderung) → Must Go!
  • Yuli
  • Kenting
  • Ins Wutaital, dann nach Sandimen
  • Taichung
  • Alishan
  • Shuili und Yuchi (Sonne-Mond-See)
  • Taiching (Auto abgeben)
  • Taipei (eine Nacht)
Andere Tipps
  • Easycard: Damit bezahlt man in U-Bahn, Bus, die YouBikes oder auch im 7eleven. Unsere hat uns das taiwanesische Tourismusbüro in Frankfurt geschenkt. Außerdem gab’s von ihnen eine dicken Packen mit Infos und Karten.
  • Trinkgeldgeben und Handeln sind nicht üblich.
  • Man zeigt nicht mit Stäbchen auf andere und steckt diese auch nicht senkrecht in die Reisschüssel. Das sieht aus wie die Räucherstäbchen in den Tempeln und ist daher tabu.
  • Guten Tag heißt „你好, Nǐ hǎo“
  • Tempel anschauen: Farbenfroh und prächtig und fast an jeder Ecke.
  • Teeprobe machen: Oulong Tee, bis zu 8x aufgebrüht.
  • Haareschneiden lassen (günstig und gut)
  • Fußmassage? Ich steh‘ nicht drauf…
  • Mangosaft trinken, sooo lecker!
  • Die App Google Translator aufs Handy laden
  • Palastmusem Taipei auslassen. Es sei denn du interessiert dich für alte Vasen, Kaligraphie und so.
  • Probiere alles Essen zumindest einmal (Ausnahme: der Anblick oder der Geruch verursachen schon Übelkeit)
  • Taipei 101 Aussichtsplattform bei gutem Wetter
  • Der gigantische, begehbare Buddha in Changhua
  • Habe ich es schon erwähnt? Essen auf den Nightmarkets!
  • Reiseblogs:
Roller: Überall!
Mein Fazit

Würde ich wieder nach Taiwan reisen? Klar! Die tolle Landschaft und Natur (GRÜN!), die netten Menschen, das unkomplizierte Reisen machen das Land für mich sehr attraktiv. Vorher gilt es aber noch einige andere weiße Flecken auf der Landkarte zu füllen.

Johannes‘ Fazit: „Auf zu neuen Brücken“

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