Als das Thema “heiß und kalt” bei Photosport bekanntgegeben wurde, hatte ich nach kurzem Nachdenken den Einfall mit Eis und “heißen” Lippen. Es galt aber einige Hürden zu überwinden, bis zum fertigen Bild.

Das Eis

Die Auswahl an Wassereis ist im Winter nicht so berauschend. Ich war in allen Supermärkten im Stuttgarter Westen und in einigen weiteren in der Innenstadt. Sehr, sehr mager das Angebot! Bei den Tankstellen sind die Eisstruhen im Winter auch nicht gerade prall gefüllt. Ich hatte von Anfang ein Bild für das Eis im Kopf: Ein grellbuntes Wassereis. Etwas, das  einen guten farblichen Kontrast zum Lippenstift bietet. Ich dachte an dieses billige Wassereis, “Mr. Freeze”,  in den durchsichtigen Plastiktüten, an welchem wir als Kinder so lange gesuckelt haben, bis keine Farbe mehr im Eis war. Das habe ich aber leider nicht bekommen. So sind es dann am Ende “Dolomiti” und “Capri” geworden.

Das Modell, der Lippenstift, das Posing

Ein Modell zu finden war nicht so schwer. Karo hat gleich “ja” gesagt. Von Ihrer Vorliebe für kräftigen Lippenstift hatte ich schon gehört, sie musste nur noch in Lipgloss investieren und wir einen gemeinsamen Termin finden. Dies war wiederum nicht einfach und kurz vor knapp (für die Abgabe bei Photosport), haben wir es dann doch hinbekommen.

Die Arbeit mit Karo war eine Freude! Sie ist für jeden Blödsinn zu haben und folgte ziemlich brav meinen Anweisungen. Das Eisschlecken war aber nicht so ohne, weil Eis eben kalt ist. Sie konnte nicht einfach mal so eine Weile stillhalten und die Pose nur leicht verändern, was ich mir gewünscht hätte. Irgendwann waren Lippen und Zunge eiskalt und sie musste etwas tun. Außerdem ist das Eis natürlich stetig weniger geworden und geschmolzen. Gegen das Tropfen musste sie deshalb auch noch ankämpfen. Da ich nicht so viel Erfahrung mit Porträtfotograf habe, brauche ich Zeit und muss zusammen mit dem Modell, mit nur wenigen Veränderungen auf einmal, das Bild entwickeln. Wenn ein Modell jedoch, hier bedingt durch eiskalte Zwänge, dauernd seine Pose ändert, wird es schwierig für mich. Karo war es kalt, ich kam ins Schwitzen. Da ich den optimalen Glanz auf den Lippen haben wollte, war die Position zum Licht eben auch wichtig.

Diesen ganzen Herausforderungen zum Trotz, hatten wir Spaß bei der “Arbeit”!

Kamera, Objektiv und Licht

William, ein Bekannter, Fotoenthusiast und Fujianer, hat mir für das Shooting sein neues 56 mm, f/1,2 Objektiv geliehen (vielen Dank nochmal, William!). Das ist ein tolles Objektiv und mein Plan war: Fotos mit offener Blende und dadurch geringe Schärfentiefe. Pustekuchen! Meine Studiolampen sind mit 400 Ws viel zu stark, bzw. lassen sich nicht weit genug herunterdrehen. Mist! Ich habe dann einen ND-Filter auf die Linse gesteckt um das einfallende Licht zu verringern und damit die Blende weiter öffnen zu können. Danach hat der Autofokus aber ziemliche Schwierigkeiten bekommen, so dass ich schlussendlich zu meinem 18-55 mm Objekt gewechselt bin. Und eigentlich war der Plan mit der geringen Schärfentiefe eh nicht so gut durchdacht, weil ich sowieso nur einen Auschnitt von Mund und Eis wollte und das dabei keine große Rolle spielte, weil der Hintergrund weiß ist.

Später habe ich rausbekommen, das es ND- Folie gibt, mit der man die Studiolampen abdunkeln kann. Naja, vielleicht bekomme ich das Objektiv noch einmal, für Porträtaufnahmen ohne starkes Licht. Fotografiert habe ich mit der Fujifilm X-T1, die Blitze mit meinen Yongnuo Funkies ausgelöst.

Ich wollte einen sehr hellen Look in den Bildern, mit weißem Hintergrund. Bei meinen Killerbildern, für die ich (Sven sei Dank) einen Duschvorhang in den Türrahmen geklebt und von hinten mit einem Blitz beleuchtet hatte, quasi eine riesige Softbox, mag ich sehr, wie das Licht um das Modell “herumfließt” und der Hintergrund rein weiß ist. Da ich mittlerweile eine Octobox mit einem Durchmesser  von 1,5 m habe, wurde diese mein (e) Hintergrund (-beleuchtung)  und der Duschvorhang blieb in der Dusche. Rechts der Aufbau.

Das Hauptlicht war ein Beautydish, auf weiteres Licht oder Aufheller habe ich verzichtet. Das Licht ist auf Stirn und Nase ist deutlich zu “heiß”, mir kam es aber auf die Mundpartie an. Links: Nur Hintergrundbeleuchtung, rechts oben: Hintergrundbeleuchtung + Hauptlicht, rechts unten: Ausschnitt.

Bei den Fotos oben hatte Karo übrigens noch nicht das Lipgloss aufgelegt. In der Nachbearbeitung habe ich die Hauttöne noch entsättigt und etwas aufgehellt.

Dann ging es los mit dem Eis:

Die beiden letzen Bilder oben waren meine Favoriten für Photosport, ich habe mich dann aber doch für dieses entschieden:

Hier noch mal eine Variante und ein Ausschnitt:

Irgendwann war das Eis dann auch geschmolzen (igitt!)…

…und ich habe am Ende noch schnell ein paar Aufnahmen mit meinem neuen Spielzeug gemacht, einer umgebauten Ring-Leuchtstofflampe:

Danke noch einmal an Karo, für das geduldige Mitwirken und kiloweise Eisessen!
Ach ja, die Runde “heiß und kalt” haben wir mit unserem Bild gewonnen ;)