Wer früh aufsteht, hat mehr vom Tag! Haben schon wieder einen zauberhaften Sonnenaufgang erlebt. Gefrühstückt, das Häuschen geputzt und dann auf die Königsetappe. Dachten wir jedenfalls (morgen dazu mehr…). Sie war lang (fast 20 Km) und hatte viele Höhenmeter (ca. 650 m und es geht eh dauernd rauf und runter). 

Es ging durchs Innere der Insel, weg von der Küste, auf den höchsten Berg hier, den Pico Alto. Vor dem letzen Aufstieg haben wir uns aber noch ein Mittagsschläfchen im Gras gegönnt. 

Ach übrigens: der Galao ist hier gnadenlos günstig: zwischen 80 und 95 ct. Richtig, heute gab es wieder einen Stopp am Café. Auch Essen gehen ist günstig. Oder kommt es mir nur so vor, weil wir in Stuttgart wohnen und dort eh alles teurer ist?

Danach durch den Wald auf den Gipfel, fast. Irgendwie haben wir die letzen Meter zur Spitze verpasst und sind vorbeigelaufen. Macht aber nichts, weil der Wald dort oben wunderbar war und wir ein Stück weiter auch zu einem tollen Aussichtspunkt gekommen sind.

So richtig Wald hatten wir heute zum ersten mal. Schönen Wald, die Bäume stehen dicht und überall wuchern diese großen Pflanzen mit den gelben Blüten. Ich glaube die Azoris finden die gar nicht so toll. Auf dem Weg zum Gipfel, haben wir einen Trupp Arbeiter getroffen, die sich redlich bemüht haben, dem Unkraut Einhalt zu gebieten. Mit Motorsensen, Macheten und anderem martialischen Werkzeug. 

Auf den letzten Kilometern hat sich uns ein netter Hund angeschlossen. Er wich uns nicht mehr von der Seite und hat sich erst getrollt, als wir ins Bett gegangen sind. Freute sich wohl über die ungewohnte Aufmerksamkeit. Wirklich schräg: Viele Hunde werden hier als Kettenhund gehalten.

Unser Ziel heute war gleichzeitig die letzte Übernachtung auf der Tour: Raposo. Da die Unterkünfte alle sehr ähnlich ausgestattet sind, ist es abends jedesmal wie nach Hause kommen: Ah, da ist die Kühltasche, Tische und Stühle rausgestellt, die verschwitzten Wandersachen durchwaschen, Eintopf auf den Kocher, Wein entkorkt, Bett gemacht. Strom gibt es aus der Sonne (12 V) aber es reicht für Licht und um das Handy zu laden. Das Wasser zum Duschen wird auch von der Sonne erhitzt. Radio, Fernseher, WiFi sucht man vergeblich. Das ist gut so.
So konnten wir am Abend noch einmal die absolute Ruhe und den Blick aufs Meer genießen.

Babs will übrigens auch mal was sagen: Idylle, Idylle, Idylle und Stille! Morgens wird man wach und es ist leider noch dunkel.

Morgens um 5:15 Uhr:

B: “Oli? Bist du schon wach?”
O: “Hmm…”
B: „Wieviel Uhr ist es, bin schon wach“
O: „Kurz nach Fünf“
B: „Wann darf ich aufstehen?”
O: „Wenn es hell wird!“
B: „Wann ist das?“
O: „In einer Stunde oder so“
B: „Menno, ich bin aber wach“
O: „Dann schlaf halt wieder“
B: „Kann nicht mehr schlafen“
O: „Dann lies halt“
B: „Machst Du mir einen Kaffee? Ohne Kaffee mag ich nicht lesen“
O: „Okeee, dann stehe ich halt auf….“


© 2018 Oliver Wendel, alle Recht vorbehalten

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