Der letzte Tag

Heute sind wir den letzten Abschnitt der Tour rund um Santa Maria gelaufen. Auf dem Papier sah das einfach aus : Wenig Höhenmeter, 22 km lang. Los ging es auf schönen Wegen entlang der Küste: “Tunnel” durch Wald, durch eine kleine rote Wüste, über Weiden mit Steinmauern, das Meer die meiste Zeit im Blick. Pause an einem Meerwasserschwimmbad und danach genauso schön weiter. Zunächst.
Dann wurde es zäh: Trockene Graslandschaft und die ganze Zeit an einem Zaun entlang, hinter dem große Funkantenne der Flugsicherung standen. Und es war warm. Sehr warm.Heiß! Der Schweiß floß in Strömen und kaum ein Lüftchen regte sich. Doch es kam noch besser: Auf eine Ebene hoch und wir standen am Zaun des Flughafens, welchen es zu umrunden galt (6 km…). Der Weg schlängelte sich mehr oder weniger direkt am Zaun entlang Richtung Süden. Ziemlich öde! Das einzige bisschen Schatten fanden wir bei einer Hausruine und dort haben wir dann Mittag gemacht. Angesichts des faden Weges, immer den Zaun zur Linken, war unsere Motivation ziemlich im Keller. Nicht mal ein Flugzeug ist in der Zeit gestartet oder gelandet. So haben wir dann kurzentschlossen den Südwestzipfel der Insel ausgelassen -“pfeif auf den Leuchtturm”- und die Tour in Richtung Vila do Porto abgekürzt (gestrichelte Linie in Gelb). Nach einigen (gefühlt zu vielen) Kilometern Straße haben wir dann endlich eine Bar gefunden und uns zwei kalte Bier gegönnt. Aaaahhh, Erlösung! Was Blut, Schweiß und Tränen anbelangt, war dieser Tag also unsere persönliche Königsetappe.

Fazit

Dieser Tag konnte uns dennoch die Tour nicht vermiesen. Absolut nicht. Wir sind froh, dass wir diese Wanderung gemacht haben! 5 Tage in toller Natur (B: “Idylle, Idylle, Idylle”), immer abseits von Rummel (gibt es hier nicht) und nur ab und zu Menschen, tolle Wege und Pfade machten das zu einem wunderbaren Erlebnis. Die Häusschen sind alle traumhaft gelegen, schön und zweckmäßig eingerichtet. Froh waren wir jedoch, dass wir diese alleine hatten, weil es doch mit anderen Wanderern zusammen recht intim werden kann. Zumal man dann jeden Abend mit den gleichen Leuten am Tisch sitzt, weil die Tour ja immer in die gleiche Richtung gegangen wird. Das könnten nette Leute sein oder auch langweilige. Wenn man das als Gruppe von 4 machen möchte, lohnt es sich m.E. die Häuschen exklusiv zu buchen.

Hier der Kontakt zum Veranstalter: www.ilhape.com. Ioannis und seine Frau sind sehr hilfreich und flexibel! So hat er z.B. am letzten Tag unser Gepäck zum Ferienhaus gebracht, in dem wir eine Nacht geblieben sind, bevor wir zur Insel Sao Miguel flogen.

Ich kann die Tour allen einigermaßen fitten Wanderern empfehlen. Es ist ein tolles Erlebnis, einmal 5 Tage am Stück zu wandern, jeden Tag an einem anderen Ort zu übernachten und so die komplette Insel zu erleben. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter und keinen Regen. Das kann, je nach Jahreszeit, anders aussehen und man sollte Regensachen dabei haben. Ich bin in flachen Trekkingschuhen gelaufen und das war absolut ausreichend. Die Wege können aber auch matschig und rutschig sein, dann empfehlen sich wasserdichte Schuhe (bei Regen eh) und in manchen Abschnitten (bergab) Wanderstöcke. Wir haben unsere Stöcke nicht benutzt.
Trinkwasser gibt es in den Unterkünften, man schmiert sich ein Brot für unterwegs und hat noch Obst zum mitnehmen. Um die Mittagszeit kann man irgendwo an einem kleinen Restaurant rasten und essen, Ausnahme: Tag 4.
Zur Übernachtung bietet sich die Jugendherberge in Vila do Porto an, die einen hohen Standard hat (wie gesagt: mit Infinity Pool!). Die Tour startet ja in direkter Nähe. Abendessen kann man sehr lecker am Hafen von Vila do Porto (Fisch und Meeresfrüchte). Dort habe ich meine ersten Napfschnecken gehabt. Sehr lecker! Das waren nicht die letzten auf der Reise…

Alles in allem eine tolle Tour!


© 2018 Oliver Wendel, alle Recht vorbehalten

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